22.05.25 Nordkapp: Schnee, Fjorde und Rentiere im Camp
22.05.2025 · Donnerstag❄ 2 °C, später ☀Honningsvåg, Norwegen
Gegen acht geht Harry auf Toilette und macht die Heizung an. Draußen sind 1,6 Grad, drinnen 6,6. Wir konnten sehr gut schlafen, die Wärmflaschen sind perfekt. Nach 9 Uhr stehen wir auf, waschen ab, kochen Tee und ich filme den Stellplatz. Kurz nach 10 Uhr fahren wir weiter, zum ersten Mal ohne Frühstück, und suchen ein Café.
Die Landschaft mit den zugefrorenen Seen ist spektakulär, kilometerlang. Wenig Autos, aber überall Bushaltestellen mitten in der Wildnis. 20 km später halten wir bei Sale, einem Supermarkt. Finnland hat den Euro, die Preise sind aber höher als bei uns. Wir kaufen Croissants, undefinierbare Teigtaschen, Kekse und Joghurt.
Ein Café oder einen Frühstücksladen gibt es hier leider nicht. Ich schlage die nächste Tankstelle vor, die letzte in Finnland hatte einen Burgerladen und eine sehr saubere Toilette. Bei Neste holen wir einen Latte, einen Kaffee und ein Stück Schokokuchen. Das angebotene Frühstücksbuffet ist für Deutsche sehr ungewohnt: Kartoffelstampf, Salat, Oliven, Fleisch, nur Herzhaftes. Die Toilette ist aber sehr sauber, es gibt sogar kostenlose Windeln am Wickeltisch.
Gegen Mittag fahren wir weiter. Die Sonne scheint, die Lichtstimmung ist perfekt, und wir essen die Schinken-Croissants aus dem Supermarkt. Finnland hat bisher kaum Blitzer, die Blitzer-App läuft aber zuverlässig. Kurz darauf sehen wir schon wieder zwei Rentiere, sie grasen an der Straße, alles Jungtiere. Wir biegen auf die Straße 92 ab, am Rand liegt immer mehr Schnee. Hoffentlich bleibt das so!
Dann fängt es an zu schneien. Nachdem wir immer wieder die Warnschilder für Schneemobile gesehen haben, gibt es hier mittlerweile auch Schneemobilverleihe.
Willkommen in Norwegen
Kurz nach 13 Uhr sind wir bei Karigasniemi in Norwegen, keine Kontrollen, keine Menschen, einfach rüberfahren. An einer Tankstelle kaufen wir für 13 € einen Kanister und füllen Diesel für die Heizung nach. Das geht sehr schlecht und kostet Nerven. Einen vollen Kanister nehmen wir als Reserve mit, durch die Kälte verbrauchen wir einiges. Balu wird auch gleich vollgetankt.
Die Landschaft und die Straße ändern sich, die schneebedeckten Berge sind spektakulär. Am Porsangerfjord sehen wir zum ersten Mal das Meer in Norwegen.
Ich fahre, und am Nachmittag laufen vier Rentiere über die Straße. Wir bremsen, der Gegenverkehr auch, und sie hüpfen davon. Später schauen wir uns die 360-Grad-Aufnahme an, ob die Rentiere drauf sind.
Gegen 16 Uhr fahren wir einen Stellplatz an, um Müll zu entsorgen und die Toilette zu leeren. Der Platz ist toll und alles ist kostenlos. Ab hier fahre ich weiter, Harry geht es nicht so gut.
Dann fahren wir durch den Nordkapptunnel, fast sieben Kilometer lang und an der tiefsten Stelle 212 Meter unter dem Meeresspiegel. Seit 1999 verbindet er das Festland mit der Insel Magerøya, auf der das Nordkap liegt. Vorher ging es nur mit der Fähre. Als wir wieder herauskommen, scheint die Sonne, fantastisches Wetter!
17:30 Uhr kommen wir im Nordcamp kurz vor dem Nordkap an. Ich muss zum ersten Mal einen Ausweis zeigen, wir haben ja bisher immer frei gestanden. Es gibt Duschen, die mit Münzen bezahlt werden, und Toiletten. Harry ist kalt. Wir stellen uns neben das Sanitärhäuschen und heizen sofort. Zum Abendbrot gibt es Kartoffelstampf mit Würstchen. Die Alternative wäre gewesen, 5 km zurück in einen Ort mit Restaurant zu fahren. Das machen wir nicht, die Fahrt an der Küste ist zwar spektakulär, aber auch kurvig und anstrengend.
Rentiere zwischen den Campern
Nach dem Essen geht Harry mit Wärmflasche ins Bett, und ich gehe noch einmal mit der guten Kamera raus. Ich bin keine zwei Minuten draußen, da laufen zwei Rentiere auf der Straße zwischen den Autos hindurch. Ich setze mich hin, und sie kommen direkt auf mich zu. Zum Glück habe ich das große Teleobjektiv dabei! Ich mache viele Fotos, die Tiere gehen auf den Campingplatz und grasen.
Immer mehr Camper kommen raus, um Fotos zu machen, und so gehe ich weiter spazieren. Es wird hier oben nicht mehr dunkel: Am Nordkap scheint von Mitte Mai bis Ende Juli die Mitternachtssonne.
Als ich zurückkomme, ziehen die Tiere gerade an Balu vorbei. Ich beobachte sie noch zehn Minuten und gehe dann ins Auto. Hier überspiele ich alle Fotos von Kamera und Handy. Gegen 21 Uhr gehe ich ins Bett.
Ich sitze auf dem Boden, und zwei Rentiere kommen direkt auf mich zu. Einer der schönsten Momente der Reise.
387 km5:33 h Fahrzeit10:12–17:51 Uhr

















