29.05.25 Nigardsbreen: Mit Kajak und Steigeisen auf den Gletscher
29.05.2025 · Donnerstag⛅ wechselhaftJostedal, Norwegen
7 Uhr bin ich wach. Ich esse Brötchen und packe Pumpernickel und einen Apfel ein. Kurz nach 9 Uhr fährt Harry mich zum Besucherzentrum. Die Tour heißt „Kayaking over the glacier lake and glacier hiking on Nigardsbreen“ und dauert sechs Stunden, von 10 bis 16 Uhr.
Der Nigardsbreen ist einer von rund 50 Gletscherarmen des Jostedalsbreen. Mit fast 490 Quadratkilometern ist das der größte Gletscher auf dem europäischen Festland, an manchen Stellen ist das Eis mehrere hundert Meter dick.
Wir sind überpünktlich, nur ein Womo steht schon hier. Dann kommt unsere Guide, eine junge Frau, und ich melde mich an. Wir sind nur acht Leute, eine kleine Gruppe: eine junge Studentin aus Australien, die wie ich alleine unterwegs ist, ein sehr ruhiges Pärchen aus Leipzig, ein humorvolles Pärchen aus den Niederlanden, zwei junge Männer aus dem Saarland, die zum ersten Mal campen, und ich. Eine sehr junge Truppe! Mit der Australierin komme ich gleich ins Gespräch, mein Englisch ist allerdings sehr eingerostet.
Ich fahre bei der Guide im Auto mit, alle anderen müssen mit ihren Campern zum Startpunkt fahren. So kann Harry schon zurück zum Camp und sich erholen, er schnieft seit heute etwas.
Mit dem Kajak über den Gletschersee
Es gibt Zweier-Kajaks, ich sitze mit der Australierin in einem. Wer hinten sitzt, steuert mit den Füßen, und da sie das schon kennt, setzt sie sich nach hinten. Der See ist toll, das Wasser milchig-türkis vom Gletscherschliff. Wir paddeln eine halbe Stunde über den See, alle können es ganz gut. Ich mache viele Fotos, die wasserdichte Hülle für das Handy habe ich wieder dabei.
Dann lassen wir die Kajaks liegen und wandern zum Anfang des Gletschers. Der Weg ist relativ kurz, über viele große Steine, und für mich noch okay. Ich bin aktuell nicht so fit, was die Ausdauer angeht. Das Schmelzwasser hat den Fels glatt geschliffen. Wo wir jetzt laufen, lag vor einigen Jahrzehnten noch Eis, denn auch der Nigardsbreen schmilzt immer weiter.
Auf dem Eis
Am Gletscher angekommen, bekommen wir eine Einweisung, wie die Spikes angelegt werden. Dann gibt es einen Klettergurt und einen Eispickel. Wir werden alle an ein Seil gehakt, die Guide geht vorne, dann folgen alle Teilnehmer im Abstand von zwei Metern.
Dann geht es los, hoch hinauf. Die Spikes geben im Eis guten Halt. Wir erfahren einiges über die Struktur: Der Gletscher ist nicht so blau und glatt, wie man vielleicht denkt. Es sind deutliche Risse im Eis zu sehen und Löcher voller Wasser. Alles schmilzt, aber das Eis ist meterdick.
Oben angekommen gibt es heiße Schokolade, und wir machen Fotos. Man könnte noch viel weiter wandern, aber wir haben insgesamt nur sechs Stunden für den Ausflug, und es ist relativ anstrengend.
Auf dem Rückweg machen wir noch zwei, drei Fotostopps. Da es steil hinuntergeht, müssen wir uns nach hinten lehnen und etwas in die Hocke gehen, insgesamt ist es aber einfacher. Es ist nicht so kalt wie gedacht, ich lasse aber alle Sachen an, das Wetter ist wechselhaft. Auf dem Rückweg kommt die Sonne raus, und ich brauche meine Sonnenbrille. Zwei weitere Touren sind unterwegs, aber in großem Abstand, das stört nicht. Wieder am Fels angekommen ziehen wir die Spikes aus und sehen in der Ferne am Berg noch eine Lawine abgehen.
Die Australierin nimmt mich im Auto mit zum Parkplatz, wir tauschen E-Mail-Adressen, ich will ihr noch Fotos schicken. Harry ist schon da und fährt zum Campingplatz zurück, er hat noch eine Nacht gebucht.
Ich rieche sehr stark, kaufe an der Rezeption noch eine Duschmünze und gehe duschen. Eigentlich wollten wir jetzt ins Restaurant, aber das Essen ist sehr teuer und wenig, ich habe nasse Haare und Harry ist erkältet. Also schaue ich in den Kühlschrank: Wir haben noch Pizzateig, der dringend weg muss. Ich mache Calzone im Omnia mit den Würstchen von gestern, Käse und Schinkenresten. Es schmeckt hervorragend und ist sehr reichhaltig.
Ich bin angestrengt und müde und gehe um 20 Uhr ins Bett. Ich schlafe schnell ein, bin aber kurz vor Mitternacht wach, weil es stark regnet, mehrere Stunden lang.
Auf einem Gletscher zu stehen, der jedes Jahr ein Stück kleiner wird, hat mich sehr berührt. Mein persönliches Highlight der Reise.
14 km0:19 h Fahrzeit10:17–16:49 Uhrhöchster Punkt 558 m laut GPS






















